Informationen für professionelles Requirements Engineering, Buchtipp, Ausbildung, Zertifizierungen.

Was ist Requirements Engineering?

RE als professionelle Tätigkeit umfasst die Analyse, Dokumentation, Abstimmung und Prüfung von Anforderungen.

Analyse

Anforderungen können Sie mit folgenden Methoden analysieren:

  • Interviews mit Stakeholder
  • Fragebogen
  • Analyse von Geschäftsprozessen, Use Case Modelling
  • Analyse von bestehenden IT-Lösungen, Dokumenten, Audio-Videos
  • Beobachtung im Feld (in die Lehre gehen)
  • Kreativitätstechniken (Brain-Stroming, Brain-Storming paradox, Perspektivenwechsel, Analogietechnik)

Dokumentation

Um Unklarheiten und Missverständnisse zu vermeiden, sollten Sie ein für alle Stakeholder zugängliches Glossar angelegen. Das Glossar beinhaltet die verwendeten Begriffe mit einer allgemein verständlichen Definition.

Die Anforderungen sollten schriftlich in einem Anforderungskatalog dokumentiert werden.

Zur Dokumentation eignen sich folgende Methoden:

  • Natürlich-sprachige Dokumentation
  • Nutzung von Modellen (UML)
    • Use Case
    • Klassendiagramm
    • Aktivitätsdiagramm
    • Zustandsdiagramm

Zur natürlichsprachigen Dokumentation von Anforderungen sollten Schablonen verwendet werden, damit die Anforderungen eindeutiger und leichter verständlich wird.

Beispiel für Schablonen
Beispiele für Requirement Schablonen

Abstimmung

Die Anforderungen müssen vom Requirement Engineer mit allen Stakeholdern abgestimmt werden.

Ziel ist, dass alle Stakeholder die dokumentierte Anforderung gleich verstehen und der Umsetzung zustimmen. Kommt es hier zu Konflikten, müssen diese geklärt werden.

Nur abgestimmte Anforderungen sollten in die Umsetzung gehen.

Prüfung

Die definierten Anforderungen müssen von einer anderen Person als dem Autor geprüft werden, um Fehler aufzudecken.

ISO/IEC/IEEE Standards

RE wird in zwei Standards abgedeckt:

  • ISO/IEC 25010: Systems and software engineering — Systems and software Quality Requirements and Evaluation (SQuaRE) — System and software quality models
  • ISO/IEC/IEEE 29148:2018: Systems and software engineering — Life cycle processes — Requirements engineering

Wann wird Requirements Engineering benötigt?

RE in aller Breite wird in der Softwareentwicklung eingesetzt (siehe Individual-Software).

Auch bei der Erstellung von Lastenheft und Pflichtenheft helfen RE Methoden.

Ausbildung, Zertifizierungen

CPRE – IREB

Eine vor allem in Europa anerkannte Ausbildung/Zertifizierung ist CPRE von IREB. Der CPRE Foundation-Level beinhaltet bereits alles für professionelles RE.

Auf der IREB Website gibt es eine Liste von Trainingsanbietern, z.B. die Technikum Academy in Wien.

Im Buch Requirements Engineering von Klaus Pohl und Chris Rupp wird RE ausführlich erklärt. Das Buch baut auf den IREB/CPRE Foundation Lehrplan auf, gibt zusätzliche Erklärungen und beinhaltet Beispiele.

IIBA

Im US-Raum ist das International Institute of Business Analysis (IIBA) bekannt und bietet mit dem BABOK Guide ausführliche Informationen zur Anforderungsanalyse. Auch IIBA bietet die Möglichkeit zur Zertifizierung.

Tools

RE Tools werden zur Dokumentation der Anforderungen verwendet. Ein Zusatznutzen ist, dass damit auch die Abhängigkeiten zwischen den Anforderungen abgebildet werden können.

Spezifische RE Tools sollten folgende Funktionen unterstützen:

  • Hierarchische Dokumentation der Anforderungen
  • Dokumentation der Abhängigkeiten zwischen Anforderungen (Tracing)
  • Versionierung von Anforderungen und Gruppierung in Releases
  • Unterstützung bei Prüfung und Freigabe der Anforderungen

Eine Übersicht über Tools am Markt finden Sie unter www.volere.org/requirements-tools

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